Der Hanuta Anarchist Kritik EZ vom 13.9.14

Sticheln und poltern

ESSLINGEN: Erich Koslowski feiert mit „Der Hanuata-Anarchist“ Premiere

In seinem zweiten Soloprogramm spannt Erich Koslowski den Bogen von frühen Kindheitserlebnissen bis zur Gegenwart. Foto: Schulze

erich_koslowski-hanuta-anarchist_web

 

Von Sylvia Schulze

Erich Koslowski hat mit „Der Hanuta-Anarchist“, dem zweiten Solo-Programm ohne Kabarett-Partner Herbert Häfele, bei den Galgenstricken erfolgreich Premiere gefeiert. In der neuen Show spannt er den Bogen von gestern bis heute, von frühen Kindheitserlebnissen an der Supermarktkasse bis zum rüstigen Rentner, der wieder mal auf Frauensuche ist. Alten Texten hat er zu neuem Glanz verholfen und aktuelle Tagesthemen eingewoben. Dabei wird gestichelt und gepoltert, was das Zeug hält.

Erich Koslowski ist ein alter Hase auf der Bühne. Er hat 38 Jahren Kabaretterfahrung. Fast genauso lange sind er und sein Partner Herbert Häfele zusammen die Esslinger Galgenstricke. „Der Hanuta-Anarchist“ ist auch nicht sein erstes Solo-Programm, denn mit „Bettnäss Wellness“ hat er schon 2007 alleine Erfolge gefeiert. Trotzdem ist bei der Premiere des neuen Programms das Lampenfieber groß. „Ich habe jetzt acht Wochen nicht auf der Bühne gestanden. Da ist das Gefühl, wann die Pointen kommen, fast weg“, erklärt Koslowski. Kaum zu glauben. Denn der Kabarettist zündet ein wahres Feuerwerk an Witzen und urkomischen Anekdoten. Stichelt leise und poltert laut, mit vollem Körpereinsatz, singt, geigt – und erntet einen Lacher nach dem anderen.

Dabei greift er tief in die Erinnerungskiste. Ein frühes Kindheitserlebnis ist zugleich namensgebend für das neue Programm: Im zarten Alter von vier Jahren hat der kleine Koslowski von einer resoluten Kassiererin im Supermarkt eins auf die Finger gekriegt. Weil er ungefragt nach den Hanutas gegriffen hat. Damals hat er Rache geschworen. Und Anarchie. Die bricht auch dann aus ihm raus, wenn er davon träumt, „mal ins Waschbecken der Oper zu pinkeln“. Auch wenn man mit solchen Übertritten wahrscheinlich die Gesellschaft nicht verändern wird.

Den Geschichtenbogen spannt Koslowski bis heute. Er schlüpft in die Rolle des rüstigen Rentners, der mal wieder eine Frau sucht, weil er auch die fünfte Gattin um die Ecke gebracht hat. Hadert, weil sein Rauhaardackel Waldi vom „Kampfsohn der Nachbarn“ totgebissen wurde. Verkauft die Hundehütte auf dem boomenden Immobilienmarkt für einen horrenden Preis. Und ärgert sich, weil ein Teil seines angelegten Geldes ohne ihn auf den Kaimaninseln Urlaub macht und Caipirinhas trinkt.

LOKALKOLORIT UND BUNDESPOLITIK

Gleichzeitig verwebt Koslowski Lokalkolorit mit der großen Bundespolitik und diese mit dem Weltgeschehen. Er singt das „Lied vom Falschparkerdenunziant“, in der die Esslinger „Altstadtspießerbürgerwehr“ in ihrer Freizeit Jagd auf nicht ordnungsgemäß geparkte Autos macht. Er rechnet aus, dass Hartz-IV-Empfänger genau 1,49 Euro im Monat in ihre Bildung investieren dürfen. Macht sich Gedanken, ob die Asylanten in der Sporthalle Zell nicht besser Hallenturnschuhe bekommen sollten, damit der Boden keine schwarzen Streifen kriegt. Malt die Vision, dass Angela Merkel 2016 das Amt von Jogi Löw übernimmt und treibt die Fantasie damit auf die Spitze, dass die Ex-Kanzlerin zur„zweiten deutschen Zarin der Sowjetunion“ aufsteigen könnte. Koslowski liebt Flunkereien und Übertreibungen. „Im Lauf der Jahre hat die Realität meine Späße aber immer wieder eingeholt“, erklärt er.

Dem Publikum gefällt’s. „Es ist nicht zu intellektuell und nicht zu politisch. Diese leichte Mischung aus allem ist bitterböse und sehr lustig zugleich“, kommentiert ein Zuschauer nach der Premiere.

Die nächsten Vorstellungen von „Der Hanuta-Anarchist“ sind am 12. Oktober, 1. und 2. November, 26. und 27. Dezember sowie am 2. und 3. Januar, jeweils um 20 Uhr, an den Sonntagsterminen um 18 Uhr im Keller der Galgenstricke. Reservierungen unter Tel. 07 11/35 44 44 oder über das Kontaktformular

Top